Archives for Februar 2015

Rücktritt Bosbach – oh nein!

Die grausame Keule des Schicksals – Eine Glosse von Fritz Müßiggang

IMG_8055-1Heute Morgen erreichte die Welt eine schreckliche Nachricht, als ob sie nicht schon genug Krisen zu bestehen hätte. Die grausame Keule des Schicksals nimmt darauf jedoch keine Rücksicht und trifft uns alle unbarmherzig mitten im Gesicht!

Ein allseits beliebter, einen hohen Unterhaltungswert besitzender Schauspieler – er spielt seit Jahren auf überzeugende Weise einen Bundestagsabgeordneten mit Hang zum täglichen Auftritt im TV – namens Wolfgang Bosbach trägt sich mit dem Gedanken, von seinem Amt zurückzutreten. Schuld sind die uns allen auf die Nerven fallenden unersättlichen Griechen mit ihrer Gier nach immer mehr Kohle. Aber nicht mit Herrn Bosbach, der nicht länger die Kuh sein will, die im Stall quer steht. Und was wird aus uns Fans? Gut, in den kommenden Wochen wird es nochmal einen intensiven Hype auf allen Kanälen geben, wenn die Herrschaften Will, Lanz, Illner, Jauch ihrem Star nochmals ausreichend Gelegenheit geben, seine persönlichen Befindlichkeiten vorzutragen. Und dann? Nicht jeder möchte wie Herr Pofalla zukünftig auf die symphatische Fresse aus dem Bergischen Land verzichten. Ab kommendem Jahr wird sich wohl nur noch ein kleiner, elitärer Kreis aus seinem Karnevalsverein in Bergisch-Gladbach auf diese Perlen moderner Schauspielkunst freuen dürfen, wenn Herr Bosbach dann dort sein Programm des aufrechten, trotz unheilbarer Krankheit lebensfrohen Karnevalsprinzen zum Besten gibt.

IMG_8955Ich mache mir große Sorgen um die Qualität unseres Fernsehprogramms und verlange eine sorgfältige, zügige vor allem aber adäquate Regelung der Nachfolge. Aktuell vertreten uns ja 631 Darsteller im Hohen Hause zu Berlin. Davon taugen die allermeisten nur zu Komparsen. An die hohe Schauspielkunst des Herrn Bosbach dagegen reichen nur ganz wenige heran. Ich bitte die für das Casting Verantwortlichen meine Vorschläge – als da wären Gerda Hasselfeldt, Claudia Roth, Jens Spahn und damit die hochgeschätzten Menschen mit Einwandern als Hintergrund nicht zu kurz kommen meinetwegen auch Cem Özdemir – sorgfältig zu prüfen.

Max Ophüls Filmfestival immer attraktiver

Rund 42.000 Zuschauer des diesjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis, das vom 19.-25. Januar in Saarbrücken stattgefunden hat, sind sich ziemlich einig: dies war ein guter Jahrgang!
IMG_4565Interessiertes Publikum, gute cineastische Infrastruktur mit hingebungsvollen Mitarbeitern, Unterstützung der Hauptstadt und des Landes, Sponsoren, mediale Begleitung, gute Organisation, engagierte Mitarbeiter und Jurymitglieder… Das wichtigste aber: es ist gelungen viele junge Filmemacher dafür zu gewinnen, dass sie ihre Erstlinge oder ihre noch nie gezeigten Filme diesem Festival anvertrauen. Damit bekräftigt das MOP-Filmfest sein Anspruch, das wichtigste deutschsprachige Nachwuchsfilmfestival zu sein. Deutschsprachig heißt aber nicht etwa, dass in den Filmen nur Deutsch gesprochen wird, oder dass die Themen in irgendeine Weise auf das deutschsprachige Territorium begrenzt sind. Es genügt ein Bezug zum Deutschen, sei es die Sprache, das Land, der/die FilmemacherIn, Produzent…
In diesem Jahr kamen wie gewohnt sehr gute Filme aus Österreich, verstärkt aus der Schweiz und Luxemburg. Allerdings ist angesichts der geografischen Nähe das Ausbleiben der französischen und auch der belgischen Beiträge nicht nachvollziehbar.

IMG_4263Zwei Filme haben eine starke Spur hinterlassen: der Gewinner des Hauptpreises in Höhe von € 36.000 „Chrieg“ in der Regie von Simon Jaquemet und Publikumsliebling „Freistatt“ des Regisseurs Marc Brummund. Beide Filme zeigen Jugendliche, die von ihren Eltern von Zuhause weggeschickt werden, damit jemand anderer sich um sie kümmert. So wurden z.B. im Nachkriegsdeutschland ca. 800.000 Jugendliche im Alter von 14-21 Jahre in die hauptsächlich kirchlich geführten Heime abgeschoben, wo man sie Disziplin und Gehorsam „lehrte“. Eine der brutalsten Einrichtungen befand sich in Freistatt, wo die „Schützlinge“ nicht nur harte Arbeit verrichten mussten, sondern auch körperlich und psychisch gequält wurden (erschütterndes Live-Zeugnis von Wolfgang Rosenkötter). Die Geschichte dieser Heimkinder ist erst 2006 der Öffentlichkeit bekannt geworden. Seit 2010 werden die ehemaligen Heimkinder aus einem staatlich-kirchlich finanzierten Fond mit insgesamt 120 Millionen Euro finanziell entschädigt.

IMG_4417Auch die Dokumentarreihe bot viele bemerkenswerte Filme von den Schauplätzen in Norwegen, Ägypten, Deutschland, Türkei…
Der in Berlin geborener Ilker Ҫatak gewann schon zum zweiten Mal den Preis für den besten Kurzfilm, diesmal für „Sadakat“, der in Istanbul und in türkischer Sprache gedreht wurde. Einige andere Filmreihen führten uns nach Kuba, China, Afghanistan, Portugal, Amerika…
Den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film gewann die Schweizerin Andrea Štaka, deren Eltern in Dubrovnik und Sarajevo geboren wurden, für den Film „Cure – das Leben einer Anderen“, ein Film der sich mit den Problemen des Zugehörigkeitsgefühls junger Menschen auseinandersetzt und zum größten Teil kroatischsprachig ist. „Driften“ des Regisseurs Karim Patwa, der die Geschichte eines jugendlichen „Rasers“ erzählt, der einen Menschen fahrlässig tötet, gewann gleich drei Preise.
IMG_4056Auch wenn der Film selbst nicht die große Anerkennung bei diesem Festival fand, ist es erfreulich, dass „Kafkas Der Bau“ in der Regie von Jochen A. Freydank, zum Teil von Saarland Medien und dem SR gefördert wurde und auf dem Gebiet der Filmproduktion beim Saarländischen Rundfunk ein Umdenken stattgefunden hat. Die jungen Filmemacher brauchen Geld um gute Filme machen zu können. Auf dass sie nicht wie der Meister Wolfgang Staudte ihr Talent nur mit „Tatort“ vergeuden müssen! Auch in diesem Jahr zeigte die Staudte Fördergesellschaft im Rahmen des MOPs einen seiner wenigen Filme „Kirmes“, aus dem Jahr 1960. Offen und mutig schaut er in die Seele der deutschen Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg, mit einer bis heute selten gesehenen Selbstkritik.

Erfreulich ist, dass auch für die Menschen, die einen Rollstuhl benutzen müssen oder bei den Reden oder Filmen einen Gebärdensprachdolmetscher brauchen einiges verbessert wurde, wenn auch noch mehr getan werden soll.

IMG_4607Bei den meisten Gelegenheiten blieb unerwähnt, dass das Filmfestival einen neuen Programmleiter, Oliver Baumgarten, hat. Wir wollen hoffen, dass auch seine Mitarbeit dazu beigetragen hat, dass uns in diesem Jahr ein qualitativ sehr gutes Programm angeboten wurde. Jedenfalls scheint es, dass das Trio Festivalleiterin Gabriella Bandel, Programmleiter Baumgarten und die Organisationsleiterin Claudia Ruth gut zusammenpassen. Wünschen wir uns, dass dies auch im nächsten Jahr so bleibt.

Unterdessen können die Saarbrücker selbst das MOP Festival bei den jungen Filmemachern noch beliebter machen: in dem sie sich noch mehr Filme anschauen, sich an Diskussionen beteiligen oder z.B. den gastierenden Filmschaffenden eine kostenlose Schlafmöglichkeit in der Innenstadt anbieten.

Damit unser im Blauen-Herzen-Rhythmus pulsierendes Festival noch charmanter wird, finden sich hoffentlich bis zum nächsten Jahr auch noch einige großzügige Sponsoren. Es wäre z.B. an der Zeit, dass in dem Pressezentrum für die akkreditierten Journalisten ein Paar Arbeitscomputer zur Verfügung gestellt werden.

Lichtmesswanderung mit der Naturwacht

IMG_5094 - KopieIst’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.
Ist’s zu Lichtmess klar und hell,
kommt der Frühling nicht so schnell.

 

Gestern war ein Lichtmess Tag. Da es aber gestern sowohl hell, rein, klar, wie auch stürmisch war und geschneit hat schließe ich daraus, dass Winter und Frühling unter sich noch nicht ausgemacht haben wer, was und wie lange macht.
Der Bliestal-Ranger Michael Keßler verkündete jedenfalls bei einer Lichtmesswanderung am Sonntag, dem 1. Februar, dass uns der Frühling ziemlich sicher schon Anfang März heimsuchen wird! Jede/r der ca. 50 TeilnehmerInnen, die sich am Aussichtsturm Heidenkopf für eine dreistündige Wanderung zusammengefunden hatten, glaubten ihm gerne. Und ließen sich bereitwillig von Ranger Keßler und seiner Kollegin von der Naturwacht Saarland Teresa Feld in eine scheinbar verschwundene Welt der vier Jahreszeiten entführen.IMG_5105 - Kopie
Unter dem aus Birkenzweigen improvisierten Bogen wurde die Schwelle überschritten, von einer Alltagswelt in der ununterbrochen Maximalleistung und Wachstum angesagt sind, in einer Welt in der alles nur „zu seiner Zeit“ geschieht. In die Zeit, in der die Natur noch schläft und die Menschen nach harter Arbeit die Ruhe genießen dürfen. Die weiße Schneelandschaft zwischen Ormesheim und Bliesmengen-Bolchen bot eine perfekte Kulisse.IMG_5128

In uns eingekehrt, spüren wir wie sich die lange Enthaltsamkeit der Natur ihrem Ende nähert. Die Vorräte sind bald aufgebraucht. Noch eine notdürftig eingelegte Fastenzeit und bald wird sie ihre ersten Boten des Erwachens schicken: die weißen Schneeglöckchen, auch Birgit Glöckchen genannt. Am ersten Februar ist der Namenstag der Birgit, der Leuchtenden. Wie die Birgit bedeutet auch die Birke Inspiration, Feuer, sie ist hell, leuchtend und leicht entzündbar. Sie steht mit ihrer weißen Rinde und unzähligen Samen, die sie so leicht und verspielt in die Welt hinausschießt als Symbol des ankommenden Frühlings, der weiblichen Kraft und der Fruchtbarkeit. Seit jeher wird die Birke als Allzweckreinigungsmittel benutzt, für den Körper, für die Seele, sogar als Besen für den Boden. Birkensaft ist in der Medizin und in der Kosmetik vielseitig verwendbar, der Birkenwein wird sogar als Potenzmittel angepriesen. Kein Zufall also, dass der Name des Monats Februar aus dem Lateinischen kommt und reinigen heißt.IMG_5138

Selbst beim 5.000 Jahre alten Ötzi fand sich ein Becher aus der Birkenrinde. Die Indianer bauten ihre Kanuten aus Birkenholz. Birke ist das einzige Holz, das sogar in grünem Zustand brennt! Leider wurde eine zeitlang auch im Saarland geglaubt, die Birke würde durch ihre vielen Triebe andere Bäume am Wachstum hindern und man bekämpfte sie so hartnäckig, dass die Birkenbäume hierzulande fast verschwunden sind. Doch in den letzten Jahren darf sie sich wieder entfalten.
Aber nicht nur Birgit hat einen Namenstag im Februar. Dabei sind auch Maria Katharina, Veronika, Johanna, Anna Margaretha, Isabella, Walburga, Silvana, Antonia….IMG_5147

Im Februar steht alles im Zeichen der Liebe. Am 14. Februar ist der Tag der Liebenden… Um die Dämonen des Winters zu vertreiben werden Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsrituale abgehalten. Die fünfte Jahreszeit erreicht ihren Höhepunkt. Das Gleichheitsprinzip gilt.
Das Dem-Frühjahrserwachen-Entgegenfiebern nähert sich dem Ende. 40 Tage lang sei die Frau nach der Entbindung eines Sohnes nicht rein. Es ist also nach Weihnachten genau ab dem Lichtmesstag möglich, etwas Neues zu zeugen. Die fruchtbaren Säfte können wieder fließen. In der Erde schlummert so vieles und wartet darauf hinaustreiben zu können.

Wir treten fest auf die Erde, um die Wurzeln wachzurütteln.IMG_5166
Und während wir, von einem Naturwächter für uns auf einer Feuerstelle vor der Birgitt-Hütte zubereiteten heißen Punsch genießen, verbrennen wir die Altlasten aus dem Vorjahr und werfen für den neuen Anfang kleine Teile der Birkenrinde in das Feuer. Sie antwortet liebevoll mit den blauen Flammen. Es mutet an wie ein Versprechen.
IMG_5175Langsam wird es dunkel und wir müssen zurückkehren. Doch bald, sehr bald sind die Schneeglöckchen da… Es geht aufwärts!

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