Prinzessinnen, Minister und Norovirus

IMG_8967Mein erster Tag nach dem langen Neujahrsempfang hat mit Erbrechen und Durchfall angefangen. Nicht, wie es vermutet werden könnte, weil ich viel gegessen oder zu viel getrunken habe, sondern weil ich die Bekanntschaft mit Herrn Norovirus gemacht habe. Wie im Internet nachzulesen ist, bringt er seine „Opfer“ nach nur 12 Stunden zum Erliegen. „Auch das Alter des Kranken spielt eine Rolle: bei Teenagern und Kindern kommt es eher zu Erbrechen, bei Erwachsenen wiederum mehr zu Durchfall“, heißt es dort. Aus meinem Krankheitsverlauf schließe ich, dass ich gerade noch im Mittelalter bin: mal das eine, mal das andere…

Wieder bei Sinnen, schlage ich die „Saarbrücker Zeitung“ auf, um zu sehen, wie es so dem Rest der Welt aus „saarländischer Sicht“ geht. Und siehe da: Außer, dass alle Welt von einem neuen Jahr redet, gibt es sonst nichts Neues. Der Dauerleserbriefbeauftragte Alfred Schön setzt auf die durchaus misslungene Neujahrsrede der Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer noch eins drauf: auch er kann an der Volksabstimmung des Saarlandes von 1935 nichts Negatives entdecken. Bloß: „Die nationale Entscheidung von 1935 („Heim ins Reich“) wird freilich immer den Makel tragen, dass sie faktisch für Hitler-Deutschland gefallen ist!“ Na, so ein Pech für die Vertriebenen und Toten! Wussten Sie, dass es in die große Dokumentation „150 Jahre Photojournalismus“ der Hulton Getty Picture Collection auch ein Foto aus dem Saarland geschafft hat? Nämlich eins, dass auf der Seite 563 den begeisterten Empfang Hitlers 1935 in der heutigen Bahnhofstraße in Saarbrücken im Großformat zeigt.

Foto: Klaus Helf

Foto: Klaus Helf

Humorvoll bleibt unsere Zeitung auch in diesem Jahr: schon gleich am ersten Tag mit den Wasservögeln. „Ein kleiner Schwan ist festgefroren…“ weil „…Viele Menschen füttern die Tiere, das ist auch in Ordnung. Aber sie sollen sie nicht an Land füttern….“, so ein Experte. Sie werden aus dem Wasser gelockt und ihre nassen Körper frieren innerhalb von Sekunden. Die SZ titelt dazu: „Wasservögel sollen nur an Land gefüttert werden“. Gleich am nächsten Tag die Korrektur: Bitte liebe Vögel entschuldigen Sie, ihr solltet doch nur im Wasser gefüttert werden!
Und während in Neunkirchen das erste saarländische Neujahrsbaby Emily-Mia geboren wird, bekommt als schnellstes Saarbrücker Baby Ali Furkan demnächst einen Baum im Deutsch-Französischen Garten gepflanzt. Wie schön!
Um die deutschen Großkonzerne brauchen wir uns weiterhin keine Sorgen zu machen: Ihre Umsätze und Gewinne bleiben trotz (oder wegen) der Konjunkturflaute im Euroraum und weltweiter Krisen auf Erfolgskurs.
Auch um das Überleben der PEGIDA-Gedanken brauchen wir uns im Saarland keine Sorgen zu machen. Die SZ bietet den PEGIDA-Verstehern so viel Raum ein, dass ihre Träger auf ein Werbebudget komplett verzichten können. Nicht nur durch eine feine Auslese der Leserbriefe. Die Fotos der PEGIDA-Demonstranten mit ihrem skandalösen Banner veröffentlicht die SZ allein in der Samstagsausgabe zweimal im Großformat.

Auch dieser quick-mix Beton half nichts beim Vierten Pavillon

Und dass das Saarlandmuseum auch in diesem Jahr Baustellenführungen durch den Erweiterungsbau der Modernen Galerie durchführt, erfahren wir auch gleich zweimal: von der Kulturredaktion und von den Lokalen. Nicht nur, dass diese Baustelle gar nicht vorankommt! Die Landesregierung verschickt noch E-Mails mit den Unterschriften der längst ausgeschiedenen Minister Mörsdorf und Toscani. Wo wir doch von unserem früheren Kultusminister und jetzigem Finanzminister Toscani sehnsüchtig seine Stellungnahme zur versäumten Schadensersatzklage in Höhe von 400.000 Euro in Sachen Museumserweiterungsbau Vierter Pavillon erwarten! Gleiches wäre auch von der damaligen und jetzigen Ministerpräsidentin angebracht. Allein dieses kleine verspätete Verfahren kostete das bankrotte Land 23.000 Euro Steuergelder. Wie viele kleine Projekte hätten damit finanziert werden können!

Nun schließe ich für heute die Zeitung mit der Erkenntnis, dass uns an diesem ersten Samstag des neuen 2015 tatsächlich nichts anderes übrig bleibt, als es so zu machen wie Prinzessinnen, wenn sie umfallen, wie der Redakteur Rolshausen in seiner Kolumne beschreibt „jetzt erst mal die Krone richten und weitergehen“. Und Norovirus meiden!

Speak Your Mind

*

SaarKlar Berichte • Bilder • Meinungen