Dr. Mohsen und das Gasthaus Bingert

IMG_9849

Zur szenischen Lesung “Ein Hauch Vergangenheit” am 17.10.2014 kamen viele ins Kino 8 1/2

“Ich komme ursprünglich aus Teheran, aber das ist lange her”, erzählt der Mann hinter der Theke in einer Kneipe, die im Laufe der Zeit für ihn ein Stück Heimat wurde: “Das Bingert war für mich ein Platz mit Menschen, die mir auf den ersten Blick offen gegenübertraten und mir ein wenig Wärme boten, sodass meine Einsamkeit leichter zu ertragen war”, erfährt der Buchleser über den Autor selbst.

IMG_9968 (2)Und wie ging es im Gasthaus “Bingert” so in den frühen achtziger und neunziger Jahre zu, in einem Gasthaus, das als Kollektiv gegründet und 20 Jahren lang auch so geführt wurde? Welche Gepflogenheiten galten und welche Themen bewegten seine Besucher? Viele Ideen, die die Welt verändern sollten und auch einige total verrückten, wie etwa die Bemühungen der Männer ihren Beitrag zur Schwangerschaftsverhütung zu leisten, indem sie ihre Spermien in warmen Wasser abzutöten versuchten. Diese Zeit beschreibt der damalige Mann hinter der Theke Dr. Mohsen Ramazani -Mogghaddam in seinem Buch “Ein Hauch Vergangenheit”.

IMG_9928

Dr. Mohsen Ramazani Moggaddeh und der Illustrator Stefan “Ede” Grenner

Zur szenischen Lesung mit Bob Ziegenbalg und Nicolas Bertholet kamen am 17. Oktober 2014 viele ins Kino 8 1/2, und nach der Signierstunde gingen die meisten selbstverständlich auch ins Bingert, das bis heute noch so aussieht wie damals. Einzig die Musikbox, die heute im AWO-Antiquariat stehen soll, fehlt. Doch Piafs “Rien de rien” klingt bis heute in vielen Köpfen nach.

Das Buch “Ein Hauch Vergangenheit” kann im Buchladen im Viertel gekauft werden. Am 07. Dezember gibt es eine weitere Lesung im Kino 8 1/2, 20 Uhr. Reservierung empfohlen! (Tel. 0681 390 8880). Das Buch und die Veranstaltungen werden unterstützt von der Heinrich Böll Stiftung Saar.

Parlons français

Nous parlons FrancaisEs ist schon traurig, wenn in einer Grenzstadt wie Saarbrücken damit geworben wird, dass in den Geschäften auch Französisch gesprochen wird. Traurig, nicht weil dort Französisch gesprochen wird, was ausdrücklich lobenswert ist, sondern weil es doch selbstverständlich sein müsste, die Sprache der Nachbarn zu kennen und zu sprechen.

Und es sind nicht alle Werbeplakate, die explizit Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe zusammen zeigen, gleich gut. Aber dies alles zeugt von sichtbaren Veränderungen unseres Alltags: es ist nicht mehr nur bei international tätigen Modegeschäften wie z.B. „Zara“ üblich, Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft anzutreffen.
Schmidt Küchenstudios 1Es freut einen dabei anwesend zu sein, wenn in einer Apotheke ein Pharmazeut schwarzer Hautfarbe einen älteren Herrn berät, wie er sein neues Diabetesmessgerät richtig bedienen soll. Es ist einfach amüsant zu sehen, wie beim betagten Mann die anfängliche Skepsis dem Stauen darüber weicht, dass sein Gegenüber ihm in einer überzeugenden Tonlage und exzellentem Deutsch deutliche Anweisungen gibt. (Beispiel „Stengel-Apotheke“, Hohenzollernstraße).
Und es ist angenehm anders, wenn einer selbst beim Bürgeramt von einem jungen Mann ebenfalls schwarzer Hautfarbe beraten wird, sich beim nächsten Mal doch online einen Termin zu holen um die Wartezeit zu verkürzen. (Beispiel Bürgeramt Saarbrücken). Oder in der Arztpraxis oder im Krankenhaus von einer kopftuchtragenden Ärztin oder Arzthelferin geholfen oder von einem Arzt aus Palästina oder Serbien behandelt zu werden.

Auto Schirra 1

 

Im Saarbrücker Stadtrat sind von 63 Stadträten diesmal mindestens zwei Vertreter, die nicht ausschließlich deutscher Herkunft sind. Im letzten Mandat waren es 0 %, bei einem Drittel des Bevölkerungsanteils.

So langsam wird Saarbrücken endlich eine Stadt, in der sich die „ganze Welt“ zu Hause fühlen kann.

A Romale, A Chavale (Gelem, gelem)

Eine zentrale Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist erst 2012 in Berlin eingeweiht worden.

Eine zentrale Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist erst 2012 in Berlin eingeweiht worden.

Heute, am 08. April ist der internationale Tag der Roma. Ein Lied hat besondere Bedeutung für die Roma. „Gelem, gelem“ wurde beim ersten Weltkongress der Roma 1971 zu der internationalen Hymne der Roma erklärt. Während die Melodie traditionell ist, wurde der Text dazu 1969 von Žarko Jovanović verfasst. Darin ist die Vertreibung und Ermordung der Roma durch die Eliteeinheit  der kroatischen Faschisten, die sogenannte „schwarze Legion“ im zweiten Weltkrieg beschrieben. Auch in Deutschland wurden Sinti und Roma verfolgt und ermordet.IMG_9132 Es ist keine genaue Zahl der ermordeten Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus ermittelt worden, die Schätzungen gehen von bis zu eine Million Menschen.IMG_9135  IMG_9164     IMG_9147  IMG_9166 IMG_9140

Eine zentrale Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas wurde erst 2012 in Berlin eingeweiht. IMG_9159IMG_9161

Seit mehr als 1000 Jahren sind die Roma Bestandteil der europäischen Zivilisation. Heute leben in Europa zwischen zehn bis zwölf Millionen Roma. Neun von zehn Angehörigen dieser größten europäischen Minderheit leben in Armut, ohne Chance, ihr zu entkommen. Die Menschenrechtsorganisationen warnen, dass in einigen mittelosteuropäischen Ländern eine “existenzgefährdende Ausgrenzung der Roma” erreicht ist. Berichte über gewaltsame Übergriffe häufen sich. Amnesty International sieht die Rechte der Roma auch in westeuropäischen Ländern massiv verletzt und gibt der Politik eine Mitschuld. So werden zum Beispiel in Deutschland die antiziganistische Straftaten nur pauschal unter Hasskriminalität erfasst. Die Antirassismusrichtlinie der EU verpflichtet jedoch die Staaten, unter anderem gegen rassistische Gewalt vorzugehen.

Das Lied (aus 1969):

Romani:                                                                         Deutsch (Übersetzung Sadija Kavgic):

Gelem, gelem, lungo dromensa                     Ich ging, ich ging die langen Wege,

Maladilem bahtale Romensa                        und traf glückliche Roma,

A Romale katar tumen aven,                         O, Ihr Roma, woher seid ihr,

E tsarensa bahtale dromensa?                      mit euren Zelten an glücklichen Wegen.

A Romale, A Chavale                                    O, Roma, o, ihr Kinder!

 

Vi man sas jek bari familiá,                          Einst hatte ich große Familie,

Murdadas la e kali legiya                             die schwarze Legion ermordete sie.

Aven mansa sa lumniake Roma,                    Kommt mit mir, ihr Roma der ganzen Welt!

Kai putaile e romane droma                         Für Roma sind die Wege jetzt offen.

Ake vriama, usti Rom akana,                        Jetzt ist die Zeit, steht auf ihr Roma,

Men khutasa misto kai kerasa                      Wir werden groß werden,

                                                                     wenn wir uns nur bemühen

A Romale, A Chavale                                  O Roma, o, ihr Kinder!

SaarKlar Berichte • Bilder • Meinungen