Saarland für Alle!?

Saarland für AlleAb dem 25. Mai 2014, nach der nächsten Kommunalwahl, wird der Saarbrücker Stadtrat bunter und um eine neue Fraktion stärker. Davon ist Lamine Conté, einer der Vorsitzenden des neuen Vereins „Saarland für Alle“ überzeugt. Große Änderungen stehen auch dem Völklinger Stadtrat und der Regionalverbandsversammlung bevor, wenn es dem Verein „Saarland für Alle“ gelingt, seine Ziele durchzusetzen. Darüber sprachen wir mit beiden gleichberechtigten Vorsitzenden Lamine Conté und Dr. Mustafa Akin.

Conté: Wir wollen, dass alle Menschen im Saarland an der Politik teilhaben und sich in den Parlamenten vertreten fühlen. Das ist heute nicht der Fall. Zu viele Menschen sind bisher ausgeschlossen. Dadurch verlieren unsere Gemeinden und das Saarland viel Potential. Das schadet den Menschen, der Wirtschaft und der Gesellschaft.

Dr. Akin: Obwohl jeder dritte Saarbrücker ausländische Wurzeln hat, gibt es zum Beispiel im Saarbrücker Stadtrat keinen Menschen, der sie offensichtlich vertritt. Das ist mit unserem Demokratieverständnis nicht vereinbar und  das wollen wir ändern. Deswegen werden wir selbst Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl aufstellen. Ich bin seit Jahren Mitglied in den Parteien, zuerst bei der Linke und jetzt bei den Grünen und da habe ich erlebt, dass das Thema Integration nur scheinheilig behandelt wird. Auch die Probleme der Einwanderer im Saarland werden nicht ernst genommen.

Wie wollen Sie an die Menschen kommen, die sich auf Ihren Listen als Kandidaten aufstellen lassen?

Conté: Wir sprechen die Menschen einfach an, verschiedenste Bürgerinitiativen, Vereine und bieten allen Interessierten an, uns bei einem wöchentlich stattfindenden Treffen kennen zu lernen. Es gibt Menschen, die nicht aufgestellt werden können, weil Sie zum Beispiel keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, aber sie können uns trotzdem unterstützen. Außerdem hilft dieser Austausch uns auch bei der Erstellung des Wahlprogramms. Denn das soll nicht von oben kommen und von der Mitgliederversammlung nur abgesegnet werden. Nein, unsere Ideen kommen von unten. Wir wollen eine bürgernahe Politik betreiben.

Wird Ihr Wahlprogramm einem anderen ähneln?

Dr. Mustafa Akin

Dr. Mustafa Akin

Dr. Akin: Die etablierten politischen Parteien haben ihre Programme schon seit langem und die haben uns nicht weiter geholfen. Unser Programm wird natürlich anders sein, wir werden zum Beispiel im Sozialbereich andere Schwerpunkte setzen.

Conté: Wenn ich nach 24 Jahren, die ich hier lebe noch keiner Partei beigetreten bin, bedeutet das, dass ich mit keiner Partei zufrieden bin. Wir wollen Politik machen, die nicht nur auf Migranten abzielt. Uns geht es um das Wohl aller Menschen in diesem Land. Deswegen werden wir mit so vielen Menschen wie nur möglich reden, damit wir wissen, wie es ihnen geht, wo sie Probleme haben, warum sie nicht wählen gehen und warum sie nicht viel von der Politik halten. Dabei werden wir dafür sorgen, dass Einwanderer/Innen auf vorderen Listenplätzen stehen. Weil wir den Einwanderern die Möglichkeit geben wollen, an der Politik teil zu haben. Diese Chance hatten sie bisher nicht.

Dr. Akin: Die Gesellschaft braucht eine breite Anerkennung für Einwanderer auf allen Feldern. Es ist doch beschämend, dass Menschen mit Hochschulbildung hierzulande putzen gehen. Politische Arbeit muss darauf zielen, dass alle Menschen entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden. Um dies zu fördern, braucht es mehr interkulturelle Kompetenzen auf den Verwaltungsebenen. Deshalb plädieren wir für eine Quote für Angestellte in der Verwaltung auf allen Ebenen, Stadt, Verband, Land für Menschen mit ausländischen Wurzeln. Das gibt es schon, zum Beispiel in Wiesbaden. Warum muss sich ein Migrant zehnmal mehr bewerben, um eine Stelle zu finden. Zehn Bewerbungen muss er mehr schreiben, als ein Einheimischer! Das ist doch reine Diskriminierung!

Wer ist im Verein, wer unterstützt Sie?

Conté: Es gibt viele Interessierte, die auch zu Sitzungen kommen, auch viele Deutsche, die uns gerne unterstützen.

Am Freitag, den 06. Dezember lädt der Verein „Saarland für Alle“ alle Interessierte zum Kennenlernen und zu einer öffentlichen Diskussion ab 20 Uhr mit Umtrunk ein. Adresse: Großherzog-Friedrich-Straße 37, 66111 Saarbrücken, Telefon 0681 9403258.

Außerdem finden jeden Freitag ab 20 Uhr offene Treffen statt an der gleichen Adresse in Saarbrücken und in Völklingen in Klubräumen des Fußballklubs AY YILDIZ, Schaffhauserstr. 8, 66333 Völklingen.

Dr. Akin: Es kommen auch viele Menschen, die nicht zufrieden sind mit der Arbeit ihrer Parteien. Die können bei uns ihre Vorstellungen einbringen, die werden bei uns auch andere Arbeits- und Sichtweisen  erfahren, die der heutigen Zeit angemessener sind. Ich habe bei den Parteien gesehen, dass sie nie die Integrationsarbeit wirklich machen wollen. Es sitzen auch latente Rassisten dabei, die sich dann mit einem beiläufigen Satz selbst enttarnen. Warum sitzt Herr Lamin noch in keinem Parlament? Doch nicht weil er weniger intelligent ist als die anderen, die dort sitzen. Ich kenne die Arbeit des saarländischen Landtags, weil ich fast jeder Plenarsitzung beiwohne. Und ich kann bezeugen, dass keiner von den Abgeordneten die Integrationsthematik wirklich beherrscht. Deswegen müssen wir das selbst in die Hand nehmen. Wenn es um unser Schicksal und die Zukunft des Landes geht, dann müssen wir mitmachen.

Wie steht es mit den Finanzen?

Lamin Conté

Lamine Conté

Conté: Der Verein hat noch keine finanzielle Unterstützung beantragt. Wir wollen erstmals etwas auf die Beine stellen, mit den Mitgliedern und Fördermitgliedern. Wir glauben, dass wir viele Mitglieder haben werden.

Dr. Akin: Wir haben schon mit einigen Geschäftsleuten über unsere Ideen gesprochen und es gibt sehr viele positive Reaktionen. Manche waren richtig begeistert, auch weil sie selbst zum Beispiel von den Parteien enttäuscht wurden.

Um an der Kommunalwahl teilzunehmen brauchen Sie vorab Unterschriften der Bürger, die Sie unterstützen wollen?

Conté: In Saarbrücken gibt es 63 Sitze im Stadtrat, also brauchen wir 189 Unterschriften, für den Regionalverband (45 Sitze x 3)135 und für Völklingen (52 Sitze x 3) 156 Unterschriften. Um einen Sitz in Saarbücken zu bekommen, werden etwa 1.000 Stimmen nötig, in Völklingen etwa 300 und da ist sicher, dass wir mindestens 2-3 Mandate bekommen. Davon träume ich schon jahrelang.

Dr. Akin: Soweit mir bekannt ist,  sitzt in Völklingen nur ein Stadtrat italienischer Herkunft. Da war ich bei der letzten Kommunalwahl von der Grünen Partei, die für sich behauptet, eine Partei für Migranten zu sein, sehr enttäuscht. Sie haben in Völklingen, wo sehr viele Menschen ausländischer Herkunft leben, geschlafen und haben es nicht geschafft, mehr als zwei Sitze zu bekommen und davon kein Migrant.

Zusammensetzung Völklinger Stadtrat: CDU 17, SPD 16, Linke 7, FPD 3, Freie Wähler 2, Grüne 2, NPD 2, Pro Völklingen 2

Werden Sie selbst Kandidaten?

Dr. Akin: Einige Parteikameraden werfen mir vor, dass ich denen schaden will, nur weil ich in den Stadtrat möchte. Aber eigentlich haben sie Angst, weil viele unzufriedener Mitglieder der Linken, der Grünen und auch der SPD für uns stimmen werden. Unsere Listen sind aber noch nicht abgeschlossen.

 

FIRMENGRÜNDER SUCHEN RAT

Deutsch/Türkische Informationsveranstaltung zur Existenzgründung

Sevdiye Erbay – Existenzgründerin, Hüseyin Yilmaz – Sonne Stahlhandelsgesellschaft und Mustafa Baklan – BAKTAT Gruppe

„Als mein Bruder und ich 1986 unseren ersten Laden in Mannheim eröffneten, hat uns niemand beraten. Aber auch heute werden Gründungswillige nicht ausreichend beraten! Gleichzeitig ist für den Gründer enorm wichtig, so viel Beratung wie nur möglich in Anspruch zu nehmen und Seminare und Kurse zu besuchen. Dabei schämen sich viele Einwanderer aufgrund ihrer Herkunft oder Sprachmängel überhaupt dabei zu sein, Fragen zu stellen, Hilfe zu suchen.“ betonte Mustafa Baklan, Mitinhaber des Unternehmens BAKTAT Gruppe, der mit seinen 3.000 verschiedenen Nahrungsmittelprodukten heute der größte Anbieter türkischer Lebensmittel in Europa ist. Mustafa Baklan selbst kam als 16-jähriger nach Mannheim zum Studieren. Statt Diplom erlernte er  drei Berufe, die des Schweißers, LKW-Fahrers und Verkäufers bevor ihn sein Weg in die Selbstständigkeit führte.

Deutsch/Türkische Informationsveranstaltung zur ExistenzgründungEr war einer von vielen  Gästen der ersten zweisprachigen (Deutsch/Türkisch) Informationsveranstaltung im Saarland zum Thema Existenzgründung, die  am 15.04.2013 im VHS Zentrum am Schloss stattgefunden hat. Auf Einladung des Wirtschaftsministers Heiko Maas kam, neben Vertretern des SOG-Netzwerks, von der IHK, HWK, SIKB, des Regionalverbandes Saarbrücken sowie Wirtschaftsministeriums auch Herr Aslan Alper Yüksel, Generalkonsul der Republik Türkei: „Mein Wunsch ist es, dass es viele Gründungen von Menschen türkischer Herkunft zum Wohle dieses Landes gibt. Dazu sind noch mehr Aktivitäten nötig. So gibt es zum Beispiel in Rheinland-Pfalz schon einige Vereine, gegründet von Migranten, die über die Unternehmensübernahmen oder Insolvenzgefahr informieren. Das könnte für das  Saarland als Vorbild dienen!“, sagte er u. a. in seinem Grußwort.

Warum ist es so wichtig, die Einwanderer gezielt zu informieren?

Rund 60% aller Vollerwerbsgründungen in Deutschland erfolgen durch Einwanderer. Und knapp 110.000 Familienunternehmen in Deutschland, mit etwa 1,4 Millionen Beschäftigten suchen von 2010 bis 2014 in Deutschland einen Betriebsnachfolger! Daraus ergibt sich die dringende Frage, wie man es schafft , die umfangreichen Beratungsangebote für Existenzgründer, die es auch im Saarland gibt, besser an interessierte Einwanderer zu vermitteln?

Zu diesem Zweck wurde vor etwa einem Jahr mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums der erste offizielle saarländische Gründungslotse für Migranten/innen eingestellt. Herr Faruk Sahin, vom IQ Netzwerk Saarland – Teilprojekt MİGRİS (Migrant/innen gründen im Saarland), wurde somit ein Teil des seit Jahren im Saarland bestehenden Beraternetzwerks SOG = Saarland Offensive für Gründer. Die SOG ist ein Netzwerk, welches sich aus Beratern der verschiedensten Institutionen wie Wirtschaftsministerium, Kammern, Arbeitsagentur sowie Freiberuflern zusammensetzt. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, die angehenden Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen und zu begleiten, sowie Anreize zu schaffen, die eigene Gründungsidee umzusetzen.

Deutsch/Türkische Informationsveranstaltung zur ExistenzgründungDas SOG-Netzwerk bekam mit Herrn Sahin neue Impulse: es ist eine Veranstaltungsreihe geplant, die SOG  und Gründungsberatungsangebote des IQ-Gründungsbüros bei den Einwanderern im Saarland bekannt machen soll. Zum Auftakt waren die Menschen türkischer Herkunft die Zielgruppe.

Etwa 120 Gäste aus allen saarländischen türkischen Gemeinden konnten dabei erfahren, dass die Gründer bis zu 8 Beratungsarbeitstage vom Wirtschaftsministerium bezuschusst bekommen können, unter der Bedingung, dass sie 1/5 der Kosten selbst tragen. Unter bestimmten Bedingungen gibt es auch Investitionskostenzuschüsse. Die ZPT Zentrale für Produktivität bietet zum Beispiel viele Seminare und Kurse und die Sparkasse informiert über Unternehmensnachfolge, Investoren- und Ideenbörse.

Auf Anfrage erfuhr eine künftige Gründerin, dass ihre Geschäftsidee solange ein Geheimnis bleibt, bis sie sie selbst veröffentlicht, weil alle Berater öffentlich vereidigt und zur Geheimhaltung verpflichtet sind.

Die Organisatoren erhoffen sich durch ähnliche Veranstaltungen Barrieren abzubauen und die Zahl der Gründungen im Saarland weiter voran zu treiben.

ALLE FÜR ALLE – Was für ein Vorbild bist du?

Was für ein Vorbild bist du?

Was für ein Vorbild bist du?

Vorurteile sind nicht angeboren! Und weil es in unserer Gesellschaft immer noch eine vorherrschende Meinung darüber gibt, was „normal“ ist, haben sich vier Träger zusammengefunden, um eine öffentliche Kampagne gegen Diskriminierung und Vorurteile zu machen. Im Rahmen einer Fachveranstaltung zur Jugendarbeit, mit großer Beteiligung der Jugendlichen selbst, wurden an der HTW die Kampagnen-Motive vorgestellt. Dass es nicht immer leicht ist dazu zu gehören bestätigte auch Professor und Rektor der Hochschule der Bildenden Künste Saar bei der Vorstellung der Plakate, die Mitarbeiter seiner Werbeagentur unter dem Motto „Was für ein Vorbild sind Sie?“ realisiert haben:

„Vorurteile sind überall. Sie sehen es an meinem Namen. Ivica Maksimovic. Echter saarländischer Name. Ist nur nicht anerkannt, dass er saarländisch ist. Daran arbeite ich noch.“, sagte er.

„Mit der Kampagne möchten wir erreichen, dass jede und jeder sich Gedanken darüber macht, was er seinen Kindern vermittelt. Aber auch, dass sich alle öffentliche Institutionen diese Frage stellen. Denn wir alle haben eine Verantwortung dafür wie wir unsere Gesellschaft konzipieren. Zugehörigkeit und Teilhabe müssen allen offen stehen“, so Projektleiterin Karin Meißner.

Was für ein Vorbild bist du?

Kampagne gegen Diskriminierung und Vorurteile

 

Das Projekt „QuarteT – Quartiere eröffnen Teilhabe“ wird in Kooperation der Fachstelle Antidiskriminierung und Diversity (FADS) mit dem Regionalverband Saarbrücken, der Gemeinde Schmelz und dem JUZ-united durchgeführt.

 

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