Tatort Schwarz-Weiß

SchwarzweißZugegeben, der „Tatort“ ist nicht mein Lieblingskrimi. Zahlreiche Versuche meiner Freunde mich für den Tatort zu erwärmen sind bisher gescheitert. Unter großem öffentlichen Druck der allgegenwärtigen Werbung und Riesenplakate wurde ich bei „Melinda“ schwach und schaltete aus Neugier auf die ARD.

Schon beim ersten Anblick auf das dunkelhäutige Mädchen im Ethnolook ahnte ich, dass nun Stereotypen folgen. Dass es aber so schlimm werden würde, hat mich dann doch sehr überrascht. Die Welt im Saarland wurde schwarz-weiß gezeigt. Die Weißen sind die Guten, die Dunkelhäutigen die Kriminellen. Die Bösen haben keine Namen, sie kommen aus keinem Land, sie sind einfach Ausländer – eine dunkle Bedrohung. Sie benutzen ihre Konsulate für Drogengeschäfte. Dafür missbrauchen sie Kinder und verstecken sie zahlreich in einem getarnten Kinderheim hier im Saarland! Diese Ausländer sind nicht nur gewalttätig, sondern auch dämlich. Kaum eine Sekunde nachdem das süße Findelkind Melinda abgegeben wurde, ist hinter der Tür zu hören, wie man das Kind offenbar quält. Die Inkarnation des Bösen kulminiert in der Figur des Dolmetschers. Diese Augen! Gruuuselig! Der „Gargamel von der Saar“. Ich als Zuschauer hatte gleich Zweifel an seiner Aufrichtigkeit. Der Kommissar brauchte da leider etwas länger. Ein Glück dennoch, dass es die echten deutschen Kommissare gibt, die diese Machenschaften aufdecken und unsere heile Welt retten!

Schade, dass dabei die schöne Gulliver-Welt und einige gute schauspielerische Beiträge in solch einem unglaubwürdigen Rahmen verloren gehen.

Der Tatort “Melinda” deprimiert – macht mich wütend! Bisher glaubte ich die Zeiten des schwarz-weiß-Fernsehens wären längst vorbei. Wer denkt sich denn so ein Drehbuch aus, wer billigt es beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Ist es keinem Verantwortlichen aufgefallen, dass diese Handlung darauf angelegt ist, Vorurteile zu bedienen? Dafür bezahlen wir sie doch!

Zum Glück ist die ganze Geschichte im „Saarort“ nur erfunden. Und ich stimme dem Rentner, Margot Müllers Gatten, zu, der gleich erkannt hatte was das Ganze ist: „Kokolores!“, sagte er cool und verpfiff alle bei der Polizei.

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