Kusturica in Luxemburg

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“Andrićgrad – die edelste Heldentat 2012” so wird Kusturica gefeiert für den Bau eines Disneylands der serbischen Nationalisten in Višegrad

Im Rahmen des Balkan Music Festivals 2016 im April wird Emir Kusturica in Luxemburg zu Gast sein. Der große Regisseur ist in dieser Region am meisten durch den Film „Underground“ (1995) über den Zerfall Jugoslawiens bekannt.

Doch eine der größten Tragödien der letzten jugoslawischen Kriege, die es noch zu verfilmen gilt, schreibt dieser Künstler mit seinem eigenen Leben:

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»Der Tempel des Großmärtyrers Zar Lazar und anderer Märtyrer von Kosovo – Višegrad Andrićgrad« Ideengeber und Erbauer der Kirche ist Emir Nemanja Kusturica, 2005 konvertiert zur serbischen Orthodoxie.

Geboren in Sarajevo als Kind säkularisierter bosnischer Muslime, prägte er mit seinen Filmerfolgen die jugoslawische Kultur in ihrer besten Zeit. Die fruchtbarste Quelle dieser Kultur war das multikulturelle Miteinander, das in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo besonders spürbar war.

Unglücklicherweise tauschte Kusturica während des Krieges die universalistische jugoslawische Idee  gegen eine klerikal-nationalistische ein.

Bis heute lässt er sich stolz als Konvertit in der christlichen serbisch-orthodoxe Kirche feiern. Diese steht mit den Begriffen wie modern oder friedlich auf dem Kriegsfuß.

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Ein Beispiel der neuen serbischen Erinnerungskultur. Der serbische Kreuzritter symbolisiert die Verteidigung der serbischen Heimaterde, die sich überall dort befindet, wo infolge kriegerischer Auseinandersetzungen der Vergangenheit serbische Gräber liegen. Die Vertreibung der jugoslawischen Einwohner, wie hier in Višegrad feiert die Republik Srpska als Verteidigungs- und Befreiungsmaßnahme.

Ausführlicher zum Jugoslawienkrieg kann hier Jugoslawien – eine Reportage nachgelesen werden, die in der Hamburger Monatszeitschrift „Konkret“ 2013 veröffentlicht wurde.

Diese kleine Fotogalerie aus Višegrad, dem Ort aus dem 1992 serbische Milizen mehr als 10.000 Menschen vertrieben und Hunderte ermordet haben, verbildlicht das ganze Elend.

Leggewie rockt weiter

Von Klaus Ludwig Helf

Claus Leggewie: Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie. C. Bertelsmann Verlag München 2015.

Claus LeggewieZu seinem 65. Geburtstag Ende März dieses Jahres hat der Kulturwissenschaftler und Publizist Claus Leggewie seine Autobiografie geschrieben. Dabei hat er, nach eigenen Angaben „Mosaiksteine einer politische Bildung und Selbsterziehung zusammengefügt“. Er benennt die Quellen seiner Erkenntnisse abseits von Büchern oder Theorien: „Wie Geschichte läuft, habe ich eher aus eigenem Erleben und bisweilen buchstäblich im Tumult der Straße gelernt“ (S. 11); seine Erinnerungen habe er fast in einem Rutsch geschrieben, diese dann doch anderen, mehr oder weniger befreundeten Zeitzeugen zur Korrektur vorgelegt.

Claus Leggewie (*1950) ist Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen und des Centre for Global Cooperation Research in Duisburg. Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und Geschichte in Köln und Paris lehrte er u.a. als Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie an der Universität Paris-Nanterre und der New York University. 2001 gründete er das Zentrum für Medien und Interaktivität an der Universität Gießen; seit 2007 leitet er das KWI und seit 2008 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU); seine Forschungsschwerpunkte sind KlimaKultur, InterKultur und ErinnerungsKultur, politische und wissenschaftliche Kommunikation und Demokratisierung.

Von der Jungen Union zum Maoisten

Nach den neun umfangreichen Kapiteln folgen eine originelle Zeittafel (1950 – 2014) als „Chronik eines Weltkindes“ zur Orientierung, ein Register als roter Faden zwischen Themen, Personen und Orte und der Bildnachweis für zahlreiche Illustrationen und Fotos. Leggewie erzählt ab 1959 weitgehend chronologisch, schweift aber häufig ab in Rück- und Vorausblicke, was die Lektüre manchmal etwas mühsam macht. Die einzelnen Kapitel können aber durchaus für sich gelesen werden. Leggewies Biografie ist Ausdruck und Zeugnis einer lebenslangen Politisierung, wie sie viele aus seiner Generation gelebt und erlebt haben. Es ist eine wechselhafte, spannende Biografie, die mit Hakenkreuzschmierereien an den Wänden der Synagoge in Köln beginnt (Weihnachten 1959); weitere Stationen sind u.a. die blutig niedergeschlagene Demo von Algeriern in Paris (1961), Mitgliedschaft in der Jungen Union, Maoist, dann Studentenbewegung und Studium in Köln und Paris, dann Reisen u.a. nach New York, Algerien und Israel und später über den ganzen Erdball. Er berichtet über seine Begegnungen und auch Auseinandersetzungen mit vielen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Vieles betrachtete er „von der Seitenlinie“ als distanzierter Beobachter; er mischte sich aber auch immer wieder politisch ein.

Ehemalige Nazis im Wissenschaftsbetrieb

Leggewie war und ist nie Mainstream gewesen- das macht ihn und seine Analysen so erfrischend anregend, manchmal auch anstrengend; so habe er sich „nie an ein linkes (oder rot-grünes) Lager gekettet, also im engsten Sinne Partei ergriffen“ (S.41), sondern er versteht sich selbst als einen „antikommunistischen Linken, katholisch fühlenden Agnostiker, angeschlossenen Außenseiter und respektvollen Grenzverletzer“. Ein taz-Kritiker bezeichnete ihn als „Rockstar des politischen Denkens“, der sich immer wieder kritisch und kontrovers in gesellschaftliche Debatten einmischte und sich nicht im akademischen Elfenbeinturm einschloss so z.B. bei der Aufdeckung ehemaliger Nazis im aktuellen Wissenschaftsbetrieb, beim Klimawandel und beim Thema Einwanderung. Davon berichtet er ausführlich in diesem Buch und es macht Spaß sich in diese Debatten einzulassen, Hintergründe aus anderen Perspektiven zu erfahren und gibt Mut und Hoffnung zu widerständigem Denken und Handeln. Zur APO, die er noch in den Endzügen unmittelbar erleben durfte, hat Leggewie kritische Anmerkungen: „Das ambivalente Verhältnis zur Gewalt ist eine Leiche im Keller der APO, der laxe Umgang mit Pädophilie die andere“ (S.207). Im Sozialistischen Büro spielte Leggewie eine bedeutende Rolle, blieb aber immer ein eigenständiger Kopf, lehnte Kadaver-Gehorsam und Denkverbote ab und stand André Gorz und Daniel Cohn-Bendit persönlich und politisch sehr nahe.

MultiKulti mit Cohn-Bendit

Mit seiner Publikation „MultiKulti” schuf Leggewie 1990 die Grundlage für eine Multikulturalismus-Politik in Deutschland; bekannte Co-Autoren waren Heiner Geißler und Daniel Cohn-Bendit. War Multikulti anfangs ein „Schmusewort“ so war es aber bald in allen politischen Lagern verpönt, aber immerhin erschien der Band 2012 in der dritten etwas erweiterten Auflage. Darin findet man keine Utopie oder Staatsideologie sondern den „Versuch einer soziologisch nüchternen Bestandsaufnahme der laufenden Pluralisierung… und Wegbereitung einer republikanischen Reform“ der Staatsbürgerschaft; es wurde auch nicht die Einführung der Scharia gefordert, sondern die republikanische Integration der Verschiedenheit, ein radikaler Mittelweg, weder „plump fremdenfeindlich noch überkritisch-antideutsch“: Dazu gehörten neben der Abkehr vom antiquierten Staatsangehörigkeitsrecht eine zukunftsfeste Arbeits- und Sozialpolitik, die praktische Gewähr der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit sowie Bildungsanstrengungen aller Art. Und wir haben Probleme, die heute unter dem Stichwort `Parallelgesellschaft` notiert werden, recht genau vorhergesagt“ (S.275).

Der Fall Schneiderschwert

Leggewie deckte in den 90er Jahren den Fall Schneiderschwert auf als „Modell einer realen Selbstentnazifizierung“ wie es öfter vorkam in der unmittelbaren Nachkriegs-BRD; er exemplifizierte die gegen heftige Widerstände am Beispiel des SS-Hauptsturmführers Hans Schneider, der den „germanischen Wissenschaftseinsatz“ von 1940 bis 1942 leitete: „Er legte seinen Namen ab und durchläuft sukzessive eine christlich-abendländische, eine humanistische, eine existenzialistische und schließlich eine linksliberale Phase“ (S. 308). Als Hans Schwerte (angeblicher Vetter Schneiders) tauchte er 1945 auf, wurde zu einem renommierten Germanistikprofessor, Rektor der TU Aachen und Ministerberater und nahm am öffentlichen Geistesleben als Linksliberaler teil. Auch Hermann Glaser habe ihn als ideologiekritischen Germanisten geschätzt. Dabei sei Schwertes SS-Vergangenheit und Doppelidentität in Kreisen deutscher Nachkriegsgermanisten wohl bekannt gewesen, aber im „breiten Strom diskreter Mitwisserschaft“ und regelrechter NS-Seilschaften gedeckt worden. Wie Hans Schwerte rückte Leggewie auch bekennenden Rechtsextremisten wie Armin Mohler, Franz Schönhuber oder Jörg Haider öffentlich auf die Pelle und „grillte“ sie förmlich – auch darüber kann man in dieser Biografie lesen. Leggewie ist nicht nur Sozialwissenschaftler, sondern auch Fan von Fußball, Autos und Rock-und Pop-Musik, deren ausgewählte Texte an passenden Stellen im vorliegenden Band eingestreut sind.
Aus seinen Erfahrungen in den USA und zurück in Deutschland hat Leggewie eine sehr kritische Einschätzung der Studienreformen in Deutschland gewonnen: „Die Exzellenzinitiative hat eine Zweiklassengesellschaft im Universitätsbetrieb entstehen lassen, die Abhängigkeit von Drittmitteln führte zur Bürokratisierung der Hochschulen, und der Bachelor-Abschluss hat sein Versprechen – sichere Qualitätsjobs auch nach einem anspruchslosen Kurzstudium – nicht eingehalten“ (S.377).
Man könnte noch vieles mehr berichten aus diesem spannenden Band als Quelle gelebter Zeitgenossenschaft und als Anreger für zukunftsweisende Projekte. Wie geht´s weiter mit Claus Leggewie? Ein Leben in entspannter Altersmilde (Sortieren, Nachholen) oder als der „letzte Rock´n roller unter den Institutsleitern“ (nur ´mal schnell die Welt retten) lehnt er ab; er neigt eher zu der folgenden Haltung: dem Durchwursteln entgegenstemmen, zur Verfügung stehen, teilnehmen und etwas zurückgeben. Man darf also gespannt sein.

Klaus HeldKlaus Ludwig Helf (*1950) ist Sozialwissenschaftler und Journalist, Medientrainer und Moderator. Er lebt und arbeitet in Saarbrücken, zurzeit in der Studienförderung und als Dozent an der Fachhochschule.
Davor war er in folgenden Bereichen beschäftigt: politische und kulturelle Bildungsarbeit, Medien-und Kommunikationstraining, Medienkompetenz, Medien-und Filmdidaktik, cross-mediale journalistische Arbeiten, Medienpolitik, Bürgerkommunikation (freie Radios und Offene Kanäle)…Publikationen.

Sorgen der Kulturszene

Wird Saarbrücken ohne Kulturdezernenten bleiben? Nein, sagt der Fraktionsvorsitzende der SPD Peter Bauer. Aber eine Dezernentenstelle wird ab August, wenn der Vertrag des jetzigen Kulturdezernenten ausläuft, wegfallen. Warum? Weil die Stadt sparen muss. Diese Aussage hat bei vielen Kulturschaffenden und Künstlern einen Schock ausgelöst. Aber, wieso eigentlich?

Diskussion zum Thema Saarbrücker Kulturdezernent mit Katharina Bihler, Martin Busche, Peter Bauer und Oliver Strauch

Diskussion zum Thema Saarbrücker Kulturdezernent mit Katharina Bihler, Martin Busche, Peter Bauer und Oliver Strauch

 

Im letzten Jahr ist der Dezernent für Umwelt, Ordnungsdienste und Migration Kajo Breuer in die Altersrente gegangen. Damals gab es einen großen öffentlichen Druck gegen die Neubesetzung der Stelle. Aus „Spargründen“. Die mehrheitliche Koalition (SPD, Linke und Grüne) berief einvernehmlich den Grünen Thomas Brück zum Dezernenten. Damit wurde die „Einsparung“ einer Dezernentenstelle um 1 Jahr hinausgezögert. Also tat die Koalition genau das, was ihr jetzt als „keine Voraussicht, keine Planung“ zum Teil vorgeworfen wird. Sie plante voraus! Wer die geltende Praxis in der Politik verfolgt, wird von diesem Vorgang nicht überrascht sein.

Dennoch, als die Koalition jetzt ihr Vorhaben, die Stelle des Kulturdezernenten nicht neubesetzen zu wollen, veröffentlichte, waren viele überrascht. Bei einigen ist die Empörung groß: „Wie wird Saarbrücken ohne Kulturdezernenten? Das ist ein schlechtes Signal für eine Stadt, die es nötig hat, mit guten Kulturveranstaltungen und guten Klima für Kulturschaffende zu werben“ und „Saarbrücken hat das in den letzten Jahren, dank eines guten Kulturdezernenten prima hingekriegt. Jetzt soll das alles so leichtsinnig verspielt werden!“, heißt es.
Der Aufstand begann. Einige führende Saarbrücker Künstler und Kulturschaffende wollen das nicht wortlos hinnehmen. Eine Facebook-Gruppe namens „OK!! – Kulturdezernat Saarbrücken muss bleiben“ wurde gegründet. An der Spitze der Schlagzeuger und Professor an der Musikhochschule in Saarbrücken Oliver Strauch. Die Gruppe erfährt Zuspruch von einigen Künstlern und Kulturschaffenden. Die Oppositionsparteien bieten Unterstützung, Gesprächsrunden finden statt. Doch was genau soll erreicht werden? Soll Erik Schrader weiterhin als Dezernent beschäftigt werden und alles so bleiben wie es ist?

Muss er angesichts seiner NS-Vergangenheit so geehrt werden?

Muss er angesichts seiner NS-Vergangenheit so geehrt werden?

Mut, die teils skandalösen Vorgänge, die in unserem Alltag vorkommen, zu kritisieren kommt im Saarland nicht oft vor. Eine Dezernentenstelle einzusparen zählt allerdings nicht dazu. Es gibt viele Themen, bei denen ich mir eine offene Diskussion wünsche. Schrader selbst zum Beispiel rügte offen die Saarbrücker Zeitung für ihre Praxis menschenfeindliche Leserbriefe kommentarlos zu veröffentlichen. Doch nicht nur die Saarbrücker Zeitung liefert von Zeit zu Zeit Anlass zu Kritik. Ohne erkennbaren Widerspruch aus der Kulturszene wird in diesem Land der zweifache Kriegsverbrecher Röchling geehrt. Ist es angebracht den langjährigen Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder angesichts seiner NS-Vergangenheit mit Straßenbennenungen zu ehren? Das schädigt das Ansehen des Saarlandes mehr als wenn Saarbrücken keinen Kulturdezernenten haben würde. Und ist ein wichtiger Grund um, wenn man die freie Wahl hat, hier nicht einzuwandern. Im Übrigen erzählt niemand den so begehrten ausländischen Facharbeitern, dass die allgemeinen Bürgerrechte hierzulande für sie teilweise nicht gelten und dass sie, wenn sie keine EU Einwanderer sind, Zeit ihres Lebens von allen Ebenen der politischen Teilhabe ausgeschlossen bleiben.

Mindestens 56.000 Saarbrücker Bürger (30 % der Gesamtbevölkerung) haben heute einen Migrationshintergrund. Im letzten Stadtrat waren sie mit 0 % vertreten. Allein die Grünen (+1 Piraten) haben es bei der Wahl 2014 verstanden eine junge Frau kurdischer Herkunft als Stadträtin zu vereidigen. Ein langjähriges, dunkelhäutiges Mitglied der CDU wurde dagegen in der Öffentlichkeit deswegen vorgeführt, weil er erwartet hat, dass seinem Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft innerhalb von sechs Monaten zugestimmt wird. Als würde es sich dabei um etwas Ungewöhnliches und Unmögliches handeln. Kurz vor der Kommunalwahl 2014 wurde dann seine Kandidatur „einvernehmlich“ beendet. Sowieso glaubt ein saarländischer Beamter auch dann Richtiges zu tun, wenn er einem türkischen Arbeiter, der in der Burbacher Hütte seine Rente verdient hat, die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert, weil er ihm unterstellt noch mit 70 Deutsch auf B1 Niveau lernen zu können.

Warum mussten im Saarland 70 Jahre vergehen bis ein zentraler Gedenkort für die aus dem Land vertriebenen und ermordeten jüdischen Saarländer errichtet wurde? Alle 26 saarländischen Synagogen waren zerstört und nur 1 neu aufgebaut! Das im November 2013 auf Initiative der Jüdischen Gemeinde Saar eingeweihte Denkmal am Rabbiner Rülf Platz ist bis heute noch ohne eine Gedenktafel!

Die Redner bei der Aufführung von „Senghor“ im Haus der Ärzte in Saarbrücken

Die Redner bei der Aufführung von „Senghor“ im Haus der Ärzte in Saarbrücken

Ich finde es gut zum Beispiel, wenn die Künstlergruppe „Die Redner“ ein filmisch/musikalisches Projekt dem senegalesischen Dichter und Politiker Senghor widmet. Oft aber, habe ich das Gefühl, dass insgesamt die Themen, die aufgegriffen werden nicht wirklich das hier und jetzt mitnehmen. Wie bekämpfen wir zum Beispiel Rassismus gegenüber den Roma?
Das Thema der Kruzifixe im saarländischen Landtag, den Gerichtssälen und anderen öffentlichen Räumen wird auch kaum angesprochen. Natürlich geht es dabei um viel mehr, als nur um Privatanliegen eines Einzelnen… Das sind Themen, die eine zivilisatorische Bedeutung haben, im Saarland aber eher gemieden werden! Politische Verantwortung für verfehlte Investitionen – ein Fremdwort.

Viele Kulturschaffende und Künstler sind finanziell von den Zuschüssen aus den öffentlichen Haushalten abhängig. Heute entscheiden die Einen, morgen die Anderen. Diese Abhängigkeit fordert politisches Wohlverhalten gegenüber den Förderern. Begrenzte Mittel führen zum Konkurrenzkampf. Und die „gute Presse“ braucht auch Jede(r) mal.

Aber was sind Kunst und Kultur ohne Mut und Grenzüberschreitungen wert? Wie können sie Politik beeinflussen, wenn sie sich der politischen Aussage verweigern und ihren Einfluss nicht dafür einsetzen, die gängigen Denk- und Handelsmuster zu verändern! Es ist zu wenig einen Kulturdezernenten zu fordern – Veränderungen, die zu mehr Zivilcourage führen sind vonnöten!

So könnte der jetzige „Aufstand“ der Kulturschaffenden für die ganze Gesellschaft was Gutes bringen. Dann nämlich, wenn er nicht zu einer Bewegung gegen Brück, Latz oder Schindel verkommt. Sondern, wenn er die Inhalte anspricht. Das würde vielen Menschen Mut machen! Und in dem demografisch schrumpfenden Saarland den Glauben erwecken, dass gemeinsam doch einiges mehr erreicht werden kann.

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