Crossover Saarbrücken

IMG_8316Sie tanzen, rappen, malen, sie sind jung und ehrgeizig: Der Eine ist stolz, Deutschland bei den Weltmeisterschaften vertreten zu können, den Anderen macht es glücklich, die eigene Mutter stolz zu machen. Das sind die Jugendlichen von Saarbrücken, die in dem gerade fertiggestellten Film „CROSSOVER SAARBRÜCKEN“ zeigen, wie sie hier in Saarbrücken leben, wie sie denken, miteinander auskommen, für welche Werte sie in ihrem Leben stehen.

Der Film ist eine gelungene Fortsetzung der Dokumentation über die seit 2009 lebendige Projektarbeit „LABEL M“ des Künstler- und Pädagogen-Trios Gisela Zimmerman, Rûken Tosun und Thomas Langhammer. Bei der gestrigen Premiere im städtischen Filmhaus war der Andrang so groß, dass der Film gleich zweimal hintereinander gezeigt wurde. Auch der anwesende Kultusminister Ulrich Commerçon würdigte diese wertvolle Arbeit.

Und wie entstand das Ganze?

Das Konzept des Projekts „Label M“ basiert auf zwei Arbeitsbereichen: Kunst/Kultur und Soziale Arbeit. Das Rezept ist einfach: Sich den Jugendlichen vor Ort nähern und ihnen die Möglichkeit bieten sich kreativ zu beteiligen. Die Umsetzung  erfordert allerdings viel Geduld, pädagogisches Können und vieles mehr: So mietete im Sommer 2009 das IMG_8345Trio Gisela, Rûken & Thomas ein leerstehendes Ladenlokal am Malstatter Markt und öffnete es für Kinder und Jugendliche …die kamen auch und nahmen den Raum für sich in Anspruch. Sie gestalteten, diskutierten, stellten Fragen: Wer sind wir? Wie leben wir und wo? Was sind unsere Wünsche und Träume? Am Ende drehten sie den Film „Crossover Malstatt“, der 2012 seine Premiere feierte und beim Créajeune – Filmwettbewerb der Großregion gezeigt wurde.

Label M zog es auch ins Freie.  So bezogen sie auf dem Kirchberg in Malstatt ihren Posten. Ein Arbeitscontainer wurde angeschafft, gearbeitet wurde unter freiem Himmel und zwar unmittelbar mit den Kindern, Jugendlichen und deren Eltern. Die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägten Beziehungen wurden aufgebaut, was den Dialog einfacher machte.

„Wir haben sogenannte Tabuthemen oder schwierige Konflikte nicht gescheut. Im Gegenteil. Oft war es laut, oft war es sehr laut. Dabei haben wir auf persönliche, religiöse oder atheistische, kulturelle, ethnische, nationale oder andere Befindlichkeiten keine Rücksicht genommen, …deswegen wurde es ja auch laut, …. aber am Ende ausnahmslos konstruktiv.“, erzählte Rûken Tosun, die auch eine „grüne“ Stadträtin in Saarbrücken ist. „Grundpfeiler unsere Arbeit sind demokratische und humanistische Werte und die Bereitschaft, diese zu leben und wenn es sein muss zu verteidigen,“ betonte sie.

So wundert es auch nicht, dass Jugendliche im Film Aussagen machen, die sich entschieden gegen Rassismus, Homophobie, religiösen Fanatismus und Nationalismus richten.

Foto: Dilnas Bilgic

Foto: Dilnas Bilgic

Beim ersten Film „Crossover Malstatt“ lag der Fokus auf Jugendlichen aus Malstatt. Diesmal war das Ziel, die verschiedenen kreativen Jugendszenen und Gruppen in der Stadt zu entdecken und zusammen zu bringen. So kam es, dass Jugendliche aus Malstatt das erste Mal zum Beispiel am Silo im Saarbrücker Osthafen waren. Die Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, mit denen sie dort ihre Freizeit verbrachten und die wiederum noch nie in Malstatt waren, kamen dann zum Kirschberg.

IMG_8384Hinter diesem 30-minütigen Film stecken viele Lebensgeschichten, Diskussionen und der Wille, gewohnte Denkmuster und Lebenswelten zu verlassen und andere kennenzulernen. Ein Glücksfall war auch die Entdeckung des jungen Kameramanns Dilnas Bilgic, für den sich während der Dreharbeiten auch ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste als Perspektive ergab. Bei der Musik half der Posaunist und Pädagoge Michael Hupperts.

Viele Institutionen unterstützten: Fonds Soziokultur Bonn, Saarlandmedien, Ministerium für Bildung und Kultur, Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Arbeit und Kultur GmbH Saarland, Kulturamt und Kulturdezernent der Hauptstadt, die Heinrich-Böll Stiftung Saar und besonders lobenswert der Privatsponsor, der saarländische Kurier- und Expressdienst GO!

Ihr Geld und ihre Unterstützung zahlen sich mehrfach aus.  Denn bei solchen Ergebnissen einer Jugendprojektarbeit können die Saarbrücker nicht nur stolz sein, sondern auch ruhig schlafen: wer solche Bürger hat, braucht sich für die Zukunft weniger zu sorgen.

HELP EUROPE – Berlinale 2016

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Während der Berlinale installierte der chinesische Künstler Ai Weiwei 14.000 Rettungswesten am Konzerthaus als Symbol für die Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind.

An den Hauptpreisen ist deutlich zu erkennen: Die Berlinale bleibt auch im Jahr 2016 ihrem Ruf als das politischste Festival aller Filmfestspiele treu. Den Goldenen Bären bekam der Dokumentarfilm „Fuocoammare“ (Feuer am Meer), für den der italienische Regisseur Gianfranco Rosi ein ganzes Jahr auf der Mittelmeerinsel Lampedusa verbracht hat. Seit 20 Jahren schon sind die Bewohner dieser Insel täglich Zeugen der größten humanitären Tragödie unserer Zeit: Beim Versuch Hunger oder Verfolgung in eigenen, meist afrikanischen Ländern zu entfliehen sind schon 15.000 Menschen auf ihrem Weg nach Europa vor dieser Küste ertrunken.

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Silberner Bär und Kritikerpreis Fipresci für Danis Tanović und “Smrt u Sarajevu”

Den silbernen Bären bekam der Film „Smrt u Sarajevu“ (Tod in Sarajevo), des Regisseurs Danis Tanović aus Bosnien und Herzegowina. Schon 2013 bekam er den gleichen Preis für den Film „Ein Tag im Leben eines Schrottsammlers“, in dem er auf die katastrophale Lage der Roma aufmerksam machte. Im neuen Film wird anlässlich der 100-jährigen Gedenkfeier des Sarajevo-Attentats an die klägliche Lage im heutigen Bosnien und Herzegowina erinnert. Seit der Anerkennung seiner Souveränität im März 1992, was sofort zu einem dreijährigen Krieg führte, wird das Land weitestgehend ignoriert. Wie die Geschichte aber lehrt, ist Europa schon mal in Bosnien gefallen: Das Attentat von 1914 am österreich-ungarischen Thronfolger löste sogar den ersten Weltkrieg aus!

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“National Bird”- Regisseurin Sonia Kennebeck und die Anwältin der Soldaten, Jesselyn Radack, die schon mal Edward Snowden vertreten hat

Einem aktuellen Krieg widmete sich die Regisseurin Sonia Kennebeck in ihrem Erstlingsdokumentarfilm „National Bird“, der nicht im Wettbewerb, sondern als Berlinale Special gezeigt wurde. Darin beschreiben die amerikanischen Soldaten, wie sie von ihren sicheren Arbeitsplätzen die Drohnen über Afghanistan explodieren lassen und afghanische Zivilisten erzählen, wie diese Explosionen ihr Leben zerstören.

Majd Mastoura wurde für seine Rolle als Hedi im gleichnamigen Film als bester Darsteller gewählt und Regisseur Mohamed Ben Attia bekam den Preis für den besten Erstlingsfilm. Diese sehenswerte Geschichte über das Leben junger Menschen zwischen den Traditionen und dem Ruf der Freiheit kommt aus Tunesien.
Als beste Darstellerin wurde Trine Dyrholm für ihre Rolle der verlassenen Ehefrau im dänischen Film „Kollektivet“ (Kommune) gewählt. Gezeigt wird der Versuch unterschiedlicher Menschen zusammen in einem Haus zu leben. Doch leider scheitert nicht nur dieser Versuch, sondern auch der Regisseur Thomas Vinterberg daran – eine halbe Stunde weniger (Gesamtlänge 111 Minuten) hätte diesem Film gut getan.
Schließlich ist die Länge eines Films kein Qualitätsmerkmal und war ganz sicher nicht der einzige Grund, dass der Preis für einen Spielfilm, der eine neue Perspektive eröffnet, an Lav Diaz’ Beitrag über die philippinische Revolution ging. Obwohl er den in der Geschichte eines Filmfestivals bisher längsten gezeigten Film („Hele Sa Hiwagang Hapis“) von 482 Minuten zur Berlinale brachte.

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Berlinale Direktor Dieter Kosslick: “Ein Filmfestival ist immer auch Seismograf, Diskurs und Spiegel der Realität.”

Um eine vom Ehemann betrogene und verlassene Frau geht es auch in dem französischen Film „L’Avenir“ (Was kommt), der für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Deutlich zeigt sich hier, dass die Regisseurin Mia Hansen-Løve ein anderes Frauenbild bevorzugt als ihr männlicher Kollege Vinterberg. Allein das rechtfertigt schon die Forderung des Bundeverbandes Regie nach mehr Förderungen für Frauen und Nachwuchsregisseure bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF. Laut dessen Diversitätsbericht gab es im Jahr 2014 in manchen Schienen, wie in dem High-budget-Bereich der Kinofilme ab 5 Mio. Euro, keine (!) Regisseurin, und der Nachwuchs wird erst ab einem Alter von 40 Jahren in die Regie-Arbeitswelt integriert.

Eine Vater-Sohn Beziehung, Sektenleben, Waffengewalt – es menschelt mal wieder in einem amerikanischen Sci-Fi-Thriller: „Midnight Special“, des Regisseurs Jeff Nichols, entsendet Grüße ins All, und es macht Spaß, dabei zu sein, auch wenn man kein Fan von Star Wars ist.
In gewisser Art „altmodisch“ ist auch der Film „Genius“, den man sich nicht entgehen lassen sollte! Regisseur Michael Grandage schenkt uns Filmpoesie, zusammen mit Colin Firth, Jude Law, Nicole Kidman, Laura Linney. Er zeigt den Wert eines guten Lektors, wie Max Perkins einer war, der z. B. Hemingway, F. Scott Fitzgerald und Thomas Wolfe im Scribner’s Verlag unter Vertrag nahm.

Jazzlegende Miles Davis (1926-1991) war ein Meister der Improvisation. Ein wildes Musikerleben mit allem was dazu gehört: Musikproduzenten, Frauen, Drogen, Alkohol… Mit dem Regiedebüt „Miles Ahead“ gelingt dem Schauspieler Don Cheadle, der sein Idol selbst spielt, ein Film, der mit großer Wahrscheinlichkeit auch Miles Davis gefallen hätte. IMG_7925

MassenmörderInnen waren bei der diesjährigen Berlinale stark vertreten: beeindruckend der tschechische Beitrag „Ja, Olga Hepnarová“ (Ich, Olga Hepnarova) über eine junge Frau, die mit 22 zur Massenmörderin wurde und 1975, als letzte in der Tschechoslowakei, öffentlich hingerichtet wurde.
Oliver Schmitz führte Regie bei „Shepherds and Butchers“ (Hirten und Schlächter): 1987 erschoss ein weißer Polizeiangestellter in Pretoria (Südafrika) sieben Mitglieder (überwiegend Schwarze) eines Football Clubs. Ein Gerichtsdrama, das eindrucksvoll gegen die Todesstrafe plädiert.
Auch im kroatischen Film „S one strane“ (Auf der andere Seite) geht es um Schuld und Strafe. Welche Folgen hat eine mehrjährige Gefängnisstrafe des Haager Kriegstribunals für die Familie eines Kriegsverbrechers? Es handelt sich hierbei um eine kroatisch-serbische Koproduktion, die an sich lobenswert ist. Leider versucht der Film erst gar nicht, so etwas wie Reue der Täter, das Unrechtsbewusstsein oder Mitleid mit den Opfern zu Tage zu bringen. Oder politische Hintergründe anzudeuten. Schlimmer noch, es wird der Ehefrau aufgebürdet über die Schuld ihres Mannes hinwegzusehen, seine Taten nicht zu hinterfragen und ihn so zu nehmen, wie er ist. Die Regiearbeit führte Zrinko Ogresta, der gleichzeitig als Koautor zeichnet und damit beweist, wie schädlich es sein kann, wenn Männer sich autorisiert fühlen, Drehbücher über Frauen ohne Frauen zu schreiben. Eine Verschwendung des schauspielerischen Könnens der Hauptdarsteller Ksenija Marinković und Lazar Ristovski.
IMG_7791Über 400 Filme, davon fast 200 Premieren wurden während der Berlinale vom 11-21. Februar gezeigt. Auch einige Filme, die vier Wochen zuvor beim Saarbrücker Filmnachwuchsfestival „Filmfestival Max Ophüls Preis“ gezeigt wurden, bekamen viel Aufmerksamkeit. Die Gewinner hatten die Gelegenheit, sich beim traditionellen Empfang der Landesmedienanstalt (LMS) in der saarländischen Landesvertretung in Berlin mal wieder zu treffen und zu besprechen. Bevor sie dann alle zu weiteren Terminen eilten. Denn wer die nächsten Bären abräumen will, muss jetzt schon hart arbeiten. Es bleibt spannend!

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