“Circles” – wenn ein Stein ins Wasser fällt

Kinoprämiere im Kino achteinhalb mit Drebuchautorin aus Belgrad

Macht es Sinn Gutes zu tun? Wer sich jemals diese Frage gestellt hat, sollte es nicht versäumen, sich den Film „Die Kreise“ („Circles“-„Krugovi“) des Regisseurs Srdan Golubović anzuschauen. Der Film wird gezeigt im Kino 8 1/2 am 27. und 28. April und von 30. April bis zum Freitag 02. Mai, jeweils mit Beginn um 20 Uhr. Bei der Vorstellung am Montag, dem 28.04. wird auch die Drehbuchautorin Melina Pota Koljević anwesend sein, die eigens für diese Aufführungen aus Serbien nach Saarbrücken anreisen wird.
circlesDas ist schon der zweite erfolgreicher Film, den sie mit Golubović macht. Inspiriert durch eine wahre Heldentat, die inmitten des Bosnienkrieges 1993 stattgefunden hat, macht der Regisseur aus Serbien, Srdan Golubović, dennoch keineswegs nur einen Kriegsfilm. Dieser Film ist genauso universell, wie die humanistischen Werte, über die er uns nachdenken lässt.

Wahre Begebenheit

Macht es Sinn, einem Menschen zu helfen, der von Anderen bedroht und geschlagen wird? Was bleibt nach einer humanen Tat, mit der man auch das eigene Leben riskiert? „Davor habe ich Angst…“, sagt der Vater des getöteten Helden, „…dass, wenn ein Mensch etwas Gutes tut, dass das anderen Menschen Nichts bedeutet!“
Wie ist es im Falle des 27-jährigen Srdjan Aleksić gekommen, der im wahren Leben in der bosnisch-herzegowinischen Kleinstadt Trebinje einem Nichtserben das Leben gerettet hat? Grundlos schlagen drei serbischen Soldaten einen „muslimischen“ Kioskbesitzer am zentralen Marktplatz zusammen. Srdjan will ihm helfen. Damit fällt der Stein ins Wasser, der die Kreise entfaltet… Zwölf Jahre später verfolgen wir drei unterschiedliche Lebensgeschichten, die sich in Trebinje/Bosnien und Herzegowina, Belgrad/Serbien und Halle /Deutschland abspielen und alle von diesem Kriegsereignis beeinflusst sind.
Wir werden als Zuschauer herausgefordert, uns in die Gedanken- und Gefühlswelt aller an der Tat von 1993 beteiligten Personen zu versetzen. Das ist ein Film, der uns dazu bringt darüber nachzudenken, was die wirklichen Werte in unserem Leben sind und welche Verantwortung wir selbst für alle unsere Mitmenschen haben. Was erwarten wir von anderen Menschen? Glauben wir, dass es keinen Einfluss auf unseren Leben hat, wenn wir wegschauen und so tun, als ob wir nichts verändern können? Sind nur diejenigen, die eine Tat begangen haben, schuldig oder auch diejenigen, die die Tat beobachtet und nicht verhindert haben? Kann eine gute Tat unseren Seelenfrieden dennoch retten? Können bereuen und vergeben die Seele reinigen?IMG_1563

Aufarbeitung des Kriegstraumas

Sicher ist dieser Film auch einer der bisher bedeutendsten Beiträgen zur Aufarbeitung des Traumas des Bosnienkrieges aus der Sicht der Serben. Bosnien und Herzegowina – bis vor 20 Jahren Zentralrepublik Jugoslawiens. Die hier lebenden Menschen (bis zu 6 Millionen) entwickelten durch die Geschichte unterschiedliche Traditionen und nahmen verschiedene Religionen an. Das Land wird heiß geliebt und heiß umkämpft. Zuletzt vor 20 Jahren, als Jugoslawien aufgelöst wurde. Ein grausamer Krieg tobte: Vertreibungen, Vergewaltigungen, Konzentrationslager, Massenmorde. Die Hauptstadt Sarajevo wird 1.425 Tage von der serbischen Armee belagert. Etwa 11.000 Bürger (darunter 1.600 Kinder) wurden, hauptsächlich durch Heckenschützer und Granatenangriffe, getötet und 56.000 verletzt.
20 Jahre später geht der Publikumspreis des, für die Region wichtigsten Filmfestivals, des Internationalen Sarajevo Filmfestivals an den Film „Circles“. Warum? Ist es vielleicht das gerettete Leben von einem Bosnier, dessen Schicksal es scheint, immer wieder geprügelt und getreten zu sein, obwohl das einzige nach dem er strebt, ein harmonisches Zusammenleben ist? Ist es auch der Hoffnungsschimmer auf eine Zukunft der jugoslawischen Länder, die nicht nationalistisch sondern humanistisch begründet wird, die in der Aussage eines jungen Serben, dem letztendlich die Rolle des „Erlösers“ zuteil wird, angedeutet wird: „Es ist nicht gerecht! Und das kann ich nicht dulden!“ Ist dieser Publikumspreis auch ein Zeichen der Vergebung? Schließlich wurde der Film von Serbien für den Oscar als bester fremdsprachiger Film vorgeschlagen.IMG_2010

Die Hoffnung lebt

Diesen Film prägen schauspielerische Höchstleistungen in langen Einstellungen und detailliebende Bilder: angefangen von einer kargen herzegowinischen Landschaft biblischen Charakters, bis zu den vielsagenden Unterschieden der Wohnungseinrichtungen. Es ist ein Film, der viele Preise gewonnen hat! Ein Film, den man nicht vergessen kann! Genauso wenig wie man Srdjan Aleksić vergessen kann. In seiner Todesanzeige ließ sein Vater schreiben: Er ist gestorben in der Erfüllung seiner menschlichen Pflicht!“ Und sowohl in Sarajevo wie auch in Novi Sad erinnern Straßennamen an ihn. „Ohne Menschen wie Srdjan Aleksić und deren heroische Taten würden Menschen die Hoffnung in die Menschlichkeit verlieren und ohne sie würde auch unser Leben keinen Sinn haben.“, heißt es z.B. in Sarajevo.
D/ F/ HR/ SRB, 2012, R: Srdan Golubović, B: Melina Pota Koljević, Srdjan Koljević, K: Aleksandar Ilić, M: Branko Djordjević, D: Leon Lučev, Nebojša Glogovac, Aleksandar Berček, Boris Isaković, Hristina Popović, Nikola Rakočević, 112 Min, F, OmU

Kooperationspartner:

Kino 8 ½

Heinrich-Böll Stiftung Saar

Integrationsbeirat Saarbrücken

Landeszentrale für politische Bildung

Freunde e.V.

Frauenwelten

Auch die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hatte viel Spass bei den "Frauenwelten"

Auch die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hatte viel Spass bei den “Frauenwelten”

Offen, vielfältig und ein bisschen frech: So sind die „Frauenwelten“. Die hohe Besucherinnenzahl hat auch diesmal bewiesen, dass sich viele Frauen in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit angesprochen fühlten: Mütter, Töchter, Migrantinnen, Studentinnen, Politikerinnen, Unternehmerinnen, Arbeiterinnen, Künstlerinnen. Besonders froh sind die Organisatorinnen aus dem Arbeitskreis Migrantinnen über die offene und freundliche Atmosphäre, die unter anderem, den schönen Räumlichkeiten des neuen Kooperationspartners, des Dekanats und der Katholischen Familienbildungsstätte Saarbrücken im Johannisfoyer zu verdanken sei.IMG_0259

Dieses Jahr fanden die „Frauenwelten“ auf den Tag genau am Internationalen Frauentag, am 08. März statt. An diesem Tag werden Frauen in vielen Ländern besonders geehrt, sie demonstrieren aber auch für ihre Rechte und feiern. Davon waren auch diese „Frauenwelten“ inspiriert: international, bunt, informativ, offen, relaxt und lebendig.IMG_0555

Was die „Frauenwelten“ bewirken sollen kann man in Stichpunkten benennen: Teilhabechancen verbessern, Netzwerke bilden, Freude an Bewegung vermitteln, Vorbilder zeigen. So fanden zahlreiche Workshops statt: von informativen Gesprächsrunden zu Arbeit und Beruf, Pflege oder Diskriminierungserfahrungen über Mütter-Kind-Musikgarten bis Fitness und Tanz. Es gab auch viel Raum für Begegnungen, Zusammensein, Kaffeetrinken, Stöbern an den Verkaufsständen und Schlemmen am internationalen Büffet.IMG_0451

Folgende Workshops wurden angeboten:

  • Zurück in den Beruf
  • Anerkennung von ausländischen Abschlüssen
  • Alltag mit und ohne Religion
  • Pflege von Angehörigen

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    Expertin in Asylfragen Maike Lüdeke-Braun, Bezirksbürgermeisterin Christa Pieper und Frauenbeuftragte der Stadt Saarbrücken Petra Messinger

  • Wie wehre ich mich gegen Diskriminierung?IMG_0274
  • Frauengesundheit
  • Schule und Eltern
  • Make Up und Hautpflege

Außerdem wurden angeboten:

  • Beratung zu ausländer-/sozial- und familienrechtlichen Fragen
  • Café – Verkaufsstände
  • Mentoring-Netzwerk für Migrantinnen
  • Quiz – Wunschmusik – Porträtmalerei
  • Pimp your Outfit
  • Zumba – Fitness – Pilates
  • Kickboxen – DancemixIMG_0178
  • Kinderbetreuung & Angebote für Kinder
  • Kurs Vegetarisch kochen
  • Musikgarten
  • Qi GongIMG_0537

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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A Romale, A Chavale (Gelem, gelem)

Eine zentrale Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist erst 2012 in Berlin eingeweiht worden.

Eine zentrale Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist erst 2012 in Berlin eingeweiht worden.

Heute, am 08. April ist der internationale Tag der Roma. Ein Lied hat besondere Bedeutung für die Roma. „Gelem, gelem“ wurde beim ersten Weltkongress der Roma 1971 zu der internationalen Hymne der Roma erklärt. Während die Melodie traditionell ist, wurde der Text dazu 1969 von Žarko Jovanović verfasst. Darin ist die Vertreibung und Ermordung der Roma durch die Eliteeinheit  der kroatischen Faschisten, die sogenannte „schwarze Legion“ im zweiten Weltkrieg beschrieben. Auch in Deutschland wurden Sinti und Roma verfolgt und ermordet.IMG_9132 Es ist keine genaue Zahl der ermordeten Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus ermittelt worden, die Schätzungen gehen von bis zu eine Million Menschen.IMG_9135  IMG_9164     IMG_9147  IMG_9166 IMG_9140

Eine zentrale Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas wurde erst 2012 in Berlin eingeweiht. IMG_9159IMG_9161

Seit mehr als 1000 Jahren sind die Roma Bestandteil der europäischen Zivilisation. Heute leben in Europa zwischen zehn bis zwölf Millionen Roma. Neun von zehn Angehörigen dieser größten europäischen Minderheit leben in Armut, ohne Chance, ihr zu entkommen. Die Menschenrechtsorganisationen warnen, dass in einigen mittelosteuropäischen Ländern eine “existenzgefährdende Ausgrenzung der Roma” erreicht ist. Berichte über gewaltsame Übergriffe häufen sich. Amnesty International sieht die Rechte der Roma auch in westeuropäischen Ländern massiv verletzt und gibt der Politik eine Mitschuld. So werden zum Beispiel in Deutschland die antiziganistische Straftaten nur pauschal unter Hasskriminalität erfasst. Die Antirassismusrichtlinie der EU verpflichtet jedoch die Staaten, unter anderem gegen rassistische Gewalt vorzugehen.

Das Lied (aus 1969):

Romani:                                                                         Deutsch (Übersetzung Sadija Kavgic):

Gelem, gelem, lungo dromensa                     Ich ging, ich ging die langen Wege,

Maladilem bahtale Romensa                        und traf glückliche Roma,

A Romale katar tumen aven,                         O, Ihr Roma, woher seid ihr,

E tsarensa bahtale dromensa?                      mit euren Zelten an glücklichen Wegen.

A Romale, A Chavale                                    O, Roma, o, ihr Kinder!

 

Vi man sas jek bari familiá,                          Einst hatte ich große Familie,

Murdadas la e kali legiya                             die schwarze Legion ermordete sie.

Aven mansa sa lumniake Roma,                    Kommt mit mir, ihr Roma der ganzen Welt!

Kai putaile e romane droma                         Für Roma sind die Wege jetzt offen.

Ake vriama, usti Rom akana,                        Jetzt ist die Zeit, steht auf ihr Roma,

Men khutasa misto kai kerasa                      Wir werden groß werden,

                                                                     wenn wir uns nur bemühen

A Romale, A Chavale                                  O Roma, o, ihr Kinder!

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